Die neunwöchige Rekordrally ist abrupt zu Ende gegangen. Passen dazu vermeldet auch die 16-Wochen-Strategie ein Verkaufsignal. Nach einem noch freundlichen Wochenstart – der S&P 500 markierte noch am Dienstag ein Rekordhoch – kippte die Stimmung am Donnerstag und mündete am Freitag in den heftigsten Ausverkauf seit über einem Jahr. Am stärksten traf es ausgerechnet das Herzstück der Rally: die Halbleiter- und KI-Werte.
Markt-Update
Auf Wochensicht steht für den S&P 500 ein Minus von rund 1,3 % auf 7.383,74 Punkte zu Buche – nachdem er Anfang der Woche noch ein Rekordhoch markiert hatte. Der Nasdaq 100 verlor deutlicher und schloss bei 25.709 Punkten (Nasdaq Composite). Allein am Freitag brach der Nasdaq 100 um 4,77 % ein, der Nasdaq Composite um 4,18 % – der schlimmste Handelstag seit dem Zoll-Schock im April 2025. Der S&P 500 fiel am Freitag um 2,64 %, der Dow Jones um 1,35 %. Der Volatilitätsindex VIX schoss um 34 % nach oben und schloss erstmals seit Wochen wieder über 20 Punkten. Der DAX hielt sich vergleichsweise wacker, weil die Frankfurter Börse vor dem Höhepunkt des US-Abverkaufs schließt: Er gab am Freitag 0,75 % auf 24.759,05 Punkte nach, was auf Wochensicht einem Minus von 1,38 % entspricht.
Im Zentrum des Sturms standen die Chip-Aktien. Der Auslöser kam von Broadcom: Der KI-Chip-Riese hatte am Mittwochabend seine Jahresprognose für die KI-Sparte nicht angehoben – für einen auf Perfektion gepreisten Markt bereits Grund genug zum Verkaufen. Die Aktie verlor am Donnerstag fast 13 % und am Freitag weitere knapp 8 %. Noch heftiger traf es Marvell (rund -16 %), Micron (rund -13 %) sowie Intel und AMD (jeweils rund -11 %); Nvidia gab knapp 6 % ab. Der Technologiesektor im S&P 500 verlor am Freitag rund 5 %. Auffällig ist aber, wie eng begrenzt der Absturz blieb: Fast die Hälfte der S&P-500-Werte schloss im Plus – es war also kein breiter Markteinbruch, sondern eine gezielte Korrektur des überhitzten KI-Segments. In Deutschland war Infineon mit einem Tagesverlust von über 9 % der mit Abstand schwächste DAX-Wert, belastet zusätzlich von einer Abstufung durch Warburg Research.
Der zweite Belastungsfaktor kam vom Arbeitsmarkt: Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 Stellen – mehr als doppelt so viele wie die erwarteten rund 80.000, bei einer stabilen Arbeitslosenquote von 4,3 %. Was eigentlich eine gute Nachricht ist, drehten die Märkte ins Negative: Ein robuster Arbeitsmarkt nimmt der Fed den Spielraum für Zinssenkungen und befeuert sogar Spekulationen über eine mögliche Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Die Folge waren steigende Anleiherenditen – die 20- und 30-jährigen US-Renditen kletterten wieder über 5 % –, was Aktien zusätzlich unter Druck setzte. Auch außerhalb der Aktienmärkte wuchs die Nervosität: Bitcoin rutschte auf rund 62.000 US-Dollar und steuerte auf die schwächste Woche seit Februar zu, nachdem die Firma Strategy erstmals seit 2022 wieder Bitcoin verkauft hatte.
Ist die Rally damit vorbei? Diese Frage dürfte die kommenden Wochen prägen. Für ein Ende des Aufschwungs sprechen die zuvor extremen Bewertungen, die hohe Marktkonzentration und die nun gestiegenen Zinsen, die der Fed-Fantasie den Boden entziehen. Dagegen spricht, dass der Ausverkauf bislang fast ausschließlich den KI-/Halbleiterbereich traf, während der breite Markt erstaunlich stabil blieb – ein Zeichen für eine gesunde Rotation statt eines beginnenden Crashs. Spannend wird die EZB-Sitzung in der kommenden Woche und die Aussagen des neuen Fed-Chefs Warsh zur Zinsfrage. Klar ist nur: Die Sorglosigkeit der vergangenen neun Wochen ist vorerst verflogen.
Aktueller Stand: Aktive Wochen-Strategien
- Die 200-Tage-Strategie (40-Wochen-Strategie) auf den DAX steht auf „grün“. Anleger halten einen ETF auf den DAX.
- Die 200-Tage-Strategie (40-Wochen-Strategie) auf den S&P 500 steht auf „grün“. Anleger halten einen ETF auf den S&P 500.
- Die 200-Tage-Strategie (40-Wochen-Strategie) auf den Nasdaq 100 steht auf „grün“. Anleger halten einen ETF auf den Nasdaq 100.
- Das Investodoc-Trendbarometer steht auf „grün“. Anleger sind in in Aktien/ETFs investiert.
- Die 16-Wochen-Strategie wechselt auf „rot“. Anleger verkaufen den Dax-ETF.
- Die Bitcoin-Trendfolge-Strategie auf Wochenbasis steht auf „rot“. Anleger sind nicht investiert.
- Der Gebert-Indikator auf Monatsbasis steht auf „rot“ – Anleger sind in Staatsanleihen investiert.
- Der Gebert-Indikator auf Wochenbasis steht laut Solactive Factsheet nun auch auf „rot“.
Viel Erfolg beim Investieren!












